Heinrich und Hatheburg

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„Nicht mit mir, mein Freund, nicht mit mir!“ warnte Siegfried. „Ich habe Augen im Kopf, und ich weiß, was ich gesehen habe. Diese Frau ist die Gattin eines Grafen, eines Freundes deines Vaters, und sie ist meine Kusine. Und wenn du nochmal so mit ihr redest, jemals wieder so mit ihr redest – “
„Bist du noch ganz dicht?“ Nun wurde auch Heinrich wütend. „Ich habe nur – “
„Heinrich!“ Siegried trat einen Schritt zurück. Es war äußerst selten, dass er den vollen Namen des Prinzen gebrauchte. Langsam hob er den Finger, um seine Wort zu unterstreichen. „Was immer das war, tu es nie mehr. Wenn es ‚nur‘ war, vergiss es. Wenn es mehr war, vergiss es noch schneller.“ Auftritt Prinz Heinrich. Vierundzwanzig Jahre jung, der aufsteigende Stern am Himmel der Sachsen… Einer, der selten allein schläft, wenn er nicht will, und sich selten Gedanken machen muß, wo seine nächste Mahlzeit herkommt. Lesen Sie mehr:
Und dann trifft Heinrich sie. Hatheburg. Selbstbewußt, gebildet und klug – schon wieder keine aus dem Klischee, das wir uns über das Frühmittelalter zusammengebastelt haben. Glücklich verheiratet und stolz darauf. Und die Gefühlswelt des jungen sächsischen Helden, die bis dahin vor allem one night stands in den Armen hingerissener Mädchen kennt, wird nachhaltig erschüttert… An seiner Seite sind seine Gefährten, die dafür sorgen, daß keine Langeweile aufkommt: Siegfried von Merseburg, ein Hüne, dessen Humor so brachial ist wie sein Kampfstil; Wido, dessen Intelligenz Heinrich im Kampf mit der Waffe eine Stütze und im Kampf um die Gunst der Frauen ein echtes Hindernis ist; und Adalhard von Babenberg, dessen Sanftheit und unerschütterlicher Glaube an das Gute im Menschen nur noch von seiner idealistischen Vorstellung über das Verhältnis der Geschlechter übertroffen wird. Ein Held wird man nicht im Bett. Die Stationen der Waffengänge des jungen Heinrich lesen sich wie ein Führer entlang der Straße der Romanik: Merseburg, Quedlinburg, Memleben, Allstedt… überall hat die mächtige Sippe der Liudolfinger, aus der er stammt, Burgen und Besitzungen, die es zu verteidigen gilt. Doch die Ungarneinfälle und die beständigen internen Auseinandersetzungen führen den Herzogssohn auch über Sachsen hinaus: Weimar und Bamberg, Thüringen und Franken, sind Schauplätze großer kriegerischer Ereignisse, als Heinrich im Rahmen der berühmten Babenberger Fehde in die Angelegenheiten seiner Muttersippe, der Babenberger, verwickelt wird.
  • Zu Ehren der Braut wurden vor allem die Heldentaten ihrer Sippe ins Lied gehoben,

    und Heinrich, der Mühe hatte, seinen Blick nicht zu Hatheburg zu lenken, fragte sich, wann sein Name fallen würde. Gewöhnlich nahm er seinen Ruhm mit Gelassenheit, doch heute, vor dem einzigen Publikum, das zählte, war es ihm wichtig zu glänzen. Doch dann, als der Skalde endlich von der Bestrafung des Jarls sang, fühlte der Prinz mit Entsetzen, wie seine Wangen zu brennen begannen.

    „Hast du heute deinen schüchternen Tag, Bruder?“ neckte ihn Enda, die die Röte bemerkte. „So kenne ich dich gar nicht!“

    Heinrich nahm einen hastigen Schluck aus seinem Becher.

    „Unsinn! Mir ist warm“, gab er aufgebracht zurück. „Die Luft hier drin kann man ja schneiden!“

    Er hob den Becher erneut zu den Lippen, um unter gesenkten Lidern nach Hatheburg schauen zu können. Wie reagierte sie auf das Lied? Ihr Blick war auf den Sänger gerichtet, doch ihr Mienenspiel schien direkt zu ihm zu sprechen. Atemlos, mit halb geöffneten Lippen verfolgte sie die Handlung, und ihre Züge wechselten von Anspannung zu Zorn, von Zorn zu Angst, von Angst zu Erleichterung und von Erleichterung zu Triumph, als Heinrich schließlich der Sieg beschieden ward. Er trank den längsten Schluck seines Lebens, während er den Blick nicht von ihr wenden konnte, und seine Wangen glühten. Als der Skalde schließlich endete, hatte er das dringende Bedürfnis, seinen Kopf in einen Eimer mit kaltem Wasser zu tauchen, doch stattdessen mußte er klatschen und huldvoll in die Runde lächeln.

    „Geht’s dir gut?“ setzte Enda besorgt nach. „Du siehst aus als -“

    „Mir geht es bestens“, unterbrach er sie kurzangebunden und wußte nicht, ob er lachen oder heulen sollte.

     

     

  • „Man läßt die Finger von der Liebsten eines Gefährten?“

    hakte Wido süffisant nach, als sie schließlich ihren Weg ohne Ricbert und Hunward fortsetzten. „Und Rosamund?“

    Heinrich sah ihn von der Seite an. Mit gespielter Empörung gab er zurück: „Sie war nicht deine Liebste! Du bist ja nicht mal in die Nähe eines Kusses gekommen! Außerdem habe ich dich davor bewahrt, daß mein Onkel einen Kapaun aus dir macht.“

    „Und Guthie?“ fragte Wido.

    „Und Waltrud?“ gab der Prinz zurück.

    „Und Bia?“

    „Und Hildburg?“

    „Hildburg? Ich kenne keine Hildburg! Meinst du Hiltgund?“

    „Richtig! Ich wußte, daß es sich auf ‚himmlisch‘ reimt!“

    „Oh Gott!“ stöhnte Wido. „Sag nicht, daß du diesen platten Reim benutzt hast!“

    „Es hat ihr gefallen!“

    „Du schreckst auch vor nichts zurück!“

     

     

  • Schon am nächsten Morgen suchte der Babenberger seinen Neffen in dessen Zelt auf.

     

    „Rudolf wacht auf!“ frohlockte er. „Meine Kundschafter haben eine größere Schar erspäht, die auf uns zureitet!“

    Wido und Heinrich sahen ihn erwartungsvoll an. Der Onkel grinste.

    „Ihr sagt mir, ihr habt schnelle Pferde? Dann möchte ich die heute mal sehen!“

    Sofort sprangen die jungen Männer auf.

    „Schnelligkeit ist alles“, fuhr Adalbert fort, während er mit ihnen auf den Hof trat. „Du, Wido, rufst die Gefährten zusammen! Ich möchte euch in einer halben Stunde aufgesessen sehen! Du, Heinrich, kommst mit mir!“

    Er ging voran zum Gutshaus und begann schon auf dem Weg, seinen Plan zu erläutern. Heinrich sah, daß auch Adalberts Leute zum Aufbruch rüsteten.

    „Ihr reitet an die Haßfurt“, erklärte der Babenberger. „So schnell wie möglich, damit ihr viel Zeit habt, wenn ihr dort ankommt. An der Furt steigt ihr ab, tränkt eure Pferde. Rollt euch im Gras, tut was ihr wollt, aber laßt es gemütlich aussehen, damit euch Rudolfs Leute überraschen und richtig schlimm  erschrecken können.“ Er rollte in gespieltem Entsetzen die Augen. „Dann auf die Pferde – in großer Panik – und über die Furt in die Berge hinein. Reitet nicht zu schnell, damit sie euch hinterherkommen. Immer knapp außer Reichweite.“

    Heinrich nickte zum Zeichen, daß er verstand.

    „Wo wartest du?“

    „Etwa hier“, Adalbert deutete auf die Karte. „Wir haben den schwierigeren Weg durch die Berge, aber das sollten wir schaffen. Fragen?“

    Der Neffe schaute auf die Karte und versuchte sich das unbekannte Gelände halbwegs einzuprägen. Es war nicht zu schwer: erst folgten sie dem Flußlauf, dann ritten sie parallel zum Gebirge. Er schüttelte den Kopf. Der Babenberger schlug ihm auf die Schulter.

    „Dann sollst du heute deinen Kampf haben, Neffe! Keine Fackeln, sondern guter alter Stahl!“

     

     

  • „Er war in Forchheim?“ Gundas Gesicht war blankes Entzücken. „Wie sieht er aus? Ist er so schön, wie man sagt?“

     

    Hatheburg seufzte und schüttelte den Kopf, doch es war klar, daß ihre Schwester sich ohne genauen Bericht nicht zufrieden geben würde.

    „Nein, er sieht... mittelmäßig aus“, begann sie deshalb, „nicht sehr groß, vielleicht so groß wie ich, eher grob in der Gestalt, blonde Haare, blaue Augen, nun ja, wie sie sie alle haben, die Sachsen.“

    Die Schilderung war wahrheitsgemäß und doch bezichtigte sie sich im selben Augenblick der Lüge. Denn sie erinnerte sich nur zu gut, daß es nicht seine Gestalt war, die Heinrichs Anziehungskraft ausmachte, sondern die Art, wie er sich bewegte, nicht die Farbe seiner Augen, sondern die Art, wie er schaute. Und Gunda glaubte ihr ohnehin kein Wort.

    „Du hast keine Ahnung von Männern“, widersprach sie ihrem Bericht ungerührt. „Zweifelsohne – und sicherlich mit gutem Grund – ist Heinrich von Sachsen der begehrteste Junggeselle zwischen Rhein und Elbe.“

     

     

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